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Ein Punkt, ein Strich, eine Linie. Damit fängt alles an. Auf dem Papier erschaffen sie neue Welten voller unglaublicher und fantastischer Dinge mit unbeschreiblicher Vorstellungskraft. Sie erschaffen Charaktere, welche auf der ganzen Welt geliebt, gehasst oder sogar als Vorbild angesehen werden. Die Rede ist von den Mangaka. In Japan werden Größen wie Eiichirō Oda oder Masashi Kishimoto verehrt und gefeiert. Hierzulande gibt es ebenfalls einige Mangaka.

Wir hatten das Glück, einen deutschen Mangaka zu einem Interview überreden zu können: Die junge, engagierte Zeichnerin Natalie Wormsbecher. Zu ihren Werken zählen unter anderem die „Life Tree's Guardian”-Reihe. Zur Zeit arbeitet Sie freiberuflich.


Wer steckt eigentlich hinter Natalie Wormsbecher?Bearbeiten

Nataliewormsbecher

Natalie Wormsbecher

  • Hallo Frau Wormsbecher, vielen Dank, dass Sie sich für dieses Interview mit uns bereit erklärt haben. Sie sind eine der erfolgreichsten deutschen Mangaka und haben unter anderem mit Ihrer Geschichte Yumiko bei der Leipziger Buchmesse einen Preis gewonnen. Doch was hat Sie dazu gebracht Ihren Beruf, den eines Mangaka, zu ergreifen?

Zeichnen hat mir schon immer sehr viel Spaß gemacht und ich habe mir schon als Kind gewünscht, später irgendeinen Beruf mit Zeichnen ergreifen zu können. Natürlich haben mir meine Eltern davon abgeraten, wie es oft bei Eltern der Fall ist, die ihre Kinder vor einer brotlosen Künstlerkarriere schützen wollen. Ich habe es dennoch riskiert, weil ich mir ein Leben ohne Zeichnen einfach nicht vorstellen konnte. (...)


  • Haben Sie ein Vorbild?

Ich hatte Vorbilder, sogar sehr viele. Das waren hauptsächlich japanische Zeichner, deren Manga ich unheimlich gern gelesen habe und die mich dazu inspiriert haben, eigene Manga zu zeichnen. Doch von diesen Vorbildern habe ich mich inzwischen gelöst und versuche, mein eigenes Ding zu machen. (...)


  • Gilt Ihre Leidenschaft nur dem Manga oder mögen sie auch Anime? Was sind ihre Lieblingsserien?

(...)Manga ist meine größere Leidenschaft und ich lese deutlich mehr Manga als ich Anime schaue. Meine Lieblingsmanga ändern sich ständig, da immer neue, tolle Serien rauskommen, die ich dann auch sofort verschlinge. Momentan fiebere ich auf jeden neuen Band von Sommer der Glühwürmchen, 31 I Dream und Last Game entgegen. Einen Lieblingsanime könnte ich gar nicht nennen, dafür schaue ich zu selten welche. (...)

Mein Bücherregal besteht aus ca. 90 % Manga und sie sind mein Beruf und meine Leidenschaft zugleich. Demnach haben Manga eine sehr große Priorität in meinem Leben


Das Leben eines MangakaBearbeiten

  • Was treibt Sie persönlich in diesem Beruf an und wie sind Ihre Arbeitsbedingungen beziehungsweise auf welche Weise arbeiten sie?

Mein Antrieb ist hauptsächlich meine Liebe zum Zeichnen und zum Geschichtenerzählen. Wenn mir das keinen Spaß machen würde, könnte ich das nicht machen, denn das Zeichnen ist schon sehr anstrengend. Ich zeichne hauptsächlich analog und mache dabei alles allein. Nur das Finish, sprich, das Rastern, entsteht bei mir inzwischen digital, alle sonstigen Arbeitsschritte erledige ich ganz traditionell mit Bleistift, Feder und Tusche.


  • Sie haben ja bereits einige Manga erschaffen und publiziert, wie die "Life Tree's Guardian"-Reihe und "Summer Rain". Doch was ist Ihr eigenes, persönliches Lieblingswerk und Herzensprojekt, an dem Ihnen die Arbeit am meisten gefallen hat? Oder gibt es da für Sie keinen Unterschied?
Life Trees Guardian Natalie Wormsbecher

Das Cover von Life Tree's Guardian Band 1

Jedes Projekt ist während seiner Entstehungszeit mein Lieblingsprojekt und mein Herzenswerk. Momentan arbeite ich an Schwarzer Kater und stecke mein ganzes Herz da rein. Am meisten Nostalgie weckt bei mir aber Summer Rain, weil es mein erstes Werk war und ich sehr viel bei der Arbeit daran gelernt habe.


  • Wo finden Sie für gewöhnlich Ihre Inspiration für ein neues Werk?
Schwarzer Kater Cover

Schwarzer Kater

Viele meiner Geschichten habe ich mir noch während der Schulzeit ausgedacht. Da war ich sehr beeinflusst von anderen Geschichten, die ich gelesen oder gesehen habe. Auch aus meinem eigenen Leben lasse ich Erfahrungen und Gefühle einfließen. Wenn ich heute eine Geschichte brauche, dann schöpfe ich aus meinen Erfahrungen und überlege, was mich momentan am meisten bewegt.


  • Gibt es einen Manga (oder ggf. Anime), der Sie in Ihrer Arbeit inspiriert hat und Ihren Stil damit geprägt hat?

Am Anfang waren die Stileinflüsse noch deutlicher ausgeprägt, da habe ich viel auf Rumiko Takahashi und den Pokémon-Anime geschaut. Aber schon sehr früh habe ich mich von den Stilen gelöst und habe einen eigenen Stil ausgearbeitet. Heute hat mein Stil kaum noch Ähnlichkeiten mit den genannten Vorbildern.

Mein Steckenpferd ist Romance, oft mit einem Schuss Fantasy. Das zeichne ich am liebsten. Wenn es ums Lesen geht, so bin ich da sehr offen. Ob Action, Krimi oder Sci-Fi – ich lese alles gern, was eine gute Geschichte hat und mich mitzureißen weiß.


  • Was ist Ihnen bei einer Erzählung durch einen Manga wichtig und worauf legen Sie Wert?

Mir ist vor allem wichtig, dass die Erzählung spannend und unvorhersehbar ist. Oder dass die Charaktere besonders und einzigartig sind und durch ihr Handeln überraschende Wendungen hervorrufen. Das macht eine Story spannend, sodass man bis zum Ende dranbleiben möchte.


  • Sie arbeiten inzwischen für den Publisher Tokyopop und sind dort Redakteurin. Wie sehr hat diese Anstellung Ihre Arbeit und Ihr Leben an sich verändert und was war das für eine Umstellung für Sie?

Das stimmt, (...) Inzwischen bin ich wieder als Freiberuflerin unterwegs, da ich vor Kurzem ein Studium begonnen habe. Die Umstellung von Zeichnerin zu Redakteurin war schon groß, allerdings liegen die beiden Felder auch nicht allzu weit voneinander entfernt. (...) Durch die Arbeit als Redakteurin habe ich einen anderen, etwas nüchterneren Blick auf die Entstehung von Manga bekommen.


  • Welche Ratschläge würden Sie jemandem geben, der gerne wie Sie ein Mangaka werden würde?

(...)Ich würde jedem angehenden Mangaka raten, an seinem Stil zu arbeiten, indem er viel und ständig zeichnet. Durch das tägliche Zeichnen wird man routinierter und bekommt ein besseres Gefühl für sich und seinen eigenen, einzigartigen Stil. Und man darf nie die Liebe zum Zeichnen verlieren, denn diese spiegelt sich in den gezeichneten Manga wider


Ausblick in die ZukunftBearbeiten

  • Werden Sie auch zukünftig Ihre Leser weiter mit neuen Geschichten überraschen und haben Sie diesbezüglich Projekte im Auge?

Momentan zeichne ich noch immer an meinem Onlinemanga Schwarzer Kater, den ich auf meiner Website www.menolly.de und auf der Onlineplattform Animexx veröffentliche. Das ist mein aktuelles Projekt, dem ich meine Aufmerksamkeit widme. Darüber hinaus habe ich noch kein neues Projekt in Planung.


  • Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

wünsch mir, dass die Mangaszene so tolerant und offen bleibt, wie sie ist. Außerdem wünsche ich mir, dass der Manga auch in der breiten Öffentlichkeit Fuß fasst und noch viel mehr Menschen auf Manga aufmerksam werden.



Hiermit ist das Interview mit Frau Wormsbecher beendet worden. ich möchte ihr an dieser Stelle noch einmal danken, dass sie sich für dieses tolle Interview zur Verfügung gestellt hat. Ich hoffe, es hat euch allen gefallen und euch auch interessiert. Vielleicht kommt es bei einer der kommenden Ausgaben wieder dazu, dass wir die Chance erhalten, euch eine interessante Persönlichkeit aus der Welt des Manga und des Anime in einem Interview vorzustellen.

-euer Ahiru Yukitori

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