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Hallo Leute, dieser Blog wurde von mir - Aki-chan86 - einem Mitglied des Entertainment-Newsteams für euch verfasst.


Wie wirkt sich vermehrte Digitalisierung und Kommunikation über das Internet auf unser Zusammenleben und Bewusstsein aus? Was passiert wenn sich die virtuelle Welt und die reale immer weiter vermischen? Ist das Internet nicht auch eine Wirklichkeit?

Serial Experiments Lain Trailer-0

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Genau diesen Fragen widmet sich der 13-teilige atmosphärische Animeklassiker „Serial Experiments Lain“ aus dem Jahr 1998 vom Drehbuchschreiber Chiaki J. Konaka („Bubblegum Crisis Tokyo 2040“, „Hellsing“, „The Big O“, „Digimon Tamers“), dass unter der Regie von Yoshitoshi ABe („Texhnolyze“, „Haibane Renmei“, „NieA_7“), für das Animationsstudio Triangle Staff produziert wurde. Am 29. September 2017 veröffentlichte NipponArt den Anime in der Collector's Edition. Der Sci-Fi-Thriller behandelt die Geschichte von Lain Iwakura, die nach und nach merkt, dass sie Teil des Netzwerks „Wired“ ist.

Unboxing und Gestaltung

Die Collector’s Box kommt in einfacher, jedoch geschmackvoller und nicht überladener Verpackung daher. Entnimmt man das Digipack mit den drei DVDs aus dem Schuber erwarten den Fan nach dem Ausklappen sechs, schöne Artworks zur Serie. Die Episodentitel samt dem Ausstrahlungsdatum sind auf einer Seite des Digipacks im Schriftstil der Serie aufgedruckt. Ein Poster und ein Aufkleber runden die Box als Extras ab. Da es sich um Einzeltrays handelt ist auch ein Herausfallen oder die Beschädigung der DVDs nicht möglich. Legt man die in blau gehaltenen DVDs ein, erwartet den Zuschauer ein genauso einfaches und doch stilvoll gehaltenes Menü. Andere Extras wie Trailer oder Hintergrundinfos sucht man jedoch vergebens. Dennoch ist es positiv hervorzuheben, dass ebenfalls eine japanische Tonspur, samt deutschem Untertitel vorhanden ist.

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Die Story

In der nahen Zukunft sind alle Menschen miteinander vernetzt.
Lain Iwakura, ein scheues 13-jähriges Mädchen, kann bis dato nichts mit der virtuellen Welt anfangen. Das ändert sich eines Tages, als sie von ihren Freundinnen angesprochen wird. Nach einem Selbstmord hat die Achtklässlerin Chisa Yomoda mehrere E-Mails an Mitschüler abgeschickt. Doch die meisten Schüler halten das für ein Gerücht. Lain entscheidet sich der Sache nachzugehen und tatsächlich setzt sich Chisa mit ihr aus der virtuellen Welt in Verbindung. Obwohl ihr Körper gestorben sei, lebe sie dort weiter und obendrein hätte sie Gott gefunden. Nach und nach gerät Lain immer mehr in die „Wired“, einer virtuellen Welt, ähnlich dem Internet. Auch häufen sich die seltsamen Ereignisse und Zeichen, in der nach und nach die Realität mit der virtuellen Welt verschmilzt. Sie wird von mysteriösen Männern in Schwarz, den Knights verfolgt, die mehr über Lain wissen, als sie selbst. Dennoch ist Lain entschlossen, sie will Chisa nacheifern und die Grenzen beider Welten aufbrechen. Nach und nach baut sie sich einen Hochleistungsrechner auf und erlebt noch mehr bizarre Begebenheiten. Sie entwickelt eine andere Persönlichkeit im „Wired“ und muss feststellen, dass diese durchaus auch ein Eigenleben zu führen beginnt. Es wird immer unklarer, ob sie sich in der Welt selbst findet oder sich verliert.

Atmosphäre

Erzählstil

Serial Experiments Lain hat eine sehr verwirrende Erzählstruktur. So sind die meisten Ereignisse zwar chronologisch angeordnet, aber teilweise auch kryptisch, zusammenhangslos und aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Manche Begebenheiten scheinen auch erst keinen Einfluss auf den Handlungsverlauf zu haben. Umso schwerer wird es dann die Handlung zu erfassen, denn in der zweiten Hälfte verdichten sich die Ereignisse. Zu verdanken ist diese einzigartige Erzählstruktur dem Drehbuchautor Chiaki J. Konaka. Er gilt als ein Autor, der viele Horror- und Storyelemente dem Cthulhu-Mythos von H.P. Lovecraft entnimmt, was man auch im Anime durchaus zu spüren bekommt. Der Anime lebt von seiner Atmosphäre und den recht wenigen Dialogen. Gemeinsam arbeiteten Konaka und ABe auch an „Texhnolyze“, weswegen beide Anime sich nicht unbedingt im Setting, aber in der Atmosphäre ähneln. Es wird eine durchaus beklemmende, düstere Welt dargestellt. Wer bereits Serien wie „Neon Genesis Evangelion“, „Paranoia Agent“ oder „Ergo Proxy“ gesehen hat und auch mag, wird mit dem Anime bestens bedient sein, da man sehr viel mitdenken und aufpassen muss.

Animation

Die Animationen fallen für eine Serie aus den späten 1990er Jahren sehr wirklich gut aus. Obwohl der Anime bereits beinahe 20 Jahre ist, ist er gut gealtert. Der klare, manchmal aber auch ein wenig grobe Zeichenstil ist sehr angenehm anzusehen und zieht den Zuschauer in seinen Bann. Personen sind im Gegensatz zu anderen 90er Jahre Anime sehr realistisch und eher westlich gehalten.

Optik ist in jedem Fall ein wichtiges Stilmittel und trägt zur Atmosphäre bei. Sie soll bewusst Informationen übermitteln, was sich optisches Storytelling nennt und im Anime besonders zum Tragen kommt. Der Stil ist in vielen Animes dieser Zeit erst durch die Ausstrahlung von „Neon Genesis Evangelion“ möglich geworden. Wie auch der Titel andeutet, ist „Serial Experiments Lain“ an vielen Stellen sehr experimentierfreudig, aber nicht zu abgehoben, als das es störend wirken könnte. Das trägt deutlich zur Einzigartigkeit dieses Animes bei. Kontraste werden z.B. in Licht (Weiße) der Umgebung gesetzt, die Schatten der Elektromasten, Telefonnetzwerke oder gar in Lains Zimmer abgegrenzt. Oft werden auch beinahe cineastische Einstellungen verwendet, die an Filme wie „2001: Odyssee im Weltraum“ denken lassen. Charaktere und ihre Avatare werden in bestimmten Situationen einander sogar gegenübergestellt. Gleichweise wird CGI eingesetzt, das sich im Gegensatz zu vielen CGI-Visualisierungen der gleichen Zeit heute noch sehenlassen kann, ohne das es großartig gekünstelt aussieht. Weiter werden auch reale Bildausschnitte wie Szenen vom UFO von Roswell verwendet.

Musik

Musik und Geräusche wird im Anime bewusst eingesetzt, um die Animationen und die Atmosphäre zu unterstützen. Oft sind es Geräusche wie das Netzbrummen von Transformatoren, die bewusst als Soundeffekte dienen und daher hervorstechen. Nicht selten gibt es Passagen in denen absolute Stille herrscht. Dennoch umfasst sie ein breites Spektrum, allen voran einige Elektrogitarren- und Klavierstücke. Besonders einprägsam und gängig dürfte jedoch das Opening „Duvet“ von der britischen Alternative-Rockband bôa sein, gefolgt vom Abspann „Tōi Sakebi“ von Reiichi Kakaido.

Philosophie

Die Welt die in „Serial Experiments Lain“ ist ist beklemmend und düster, beinahe schon dystopisch gezeichnet. Dem Zuschauer werden die Philosophien und psychologische Denkansätze oft jedoch nicht direkt in Dialogform vor die Nase gesetzt, sondern wie oben beschrieben in audiovisueller Form. Durch andere Sinneseindrücke und Erfahrungen kommen andere Zuschauer auch zu anderen Interpretationen. Ein mehrfaches Ansehen lohnt sich, um die Handlung besser verstehen zu können.

Die Vernetzung dringt immer weiter vor, was auch mit der derzeitigen Übernetzung unseres Planeten verglichen werden könnte. Es wird durchaus erwartet, dass das Internet einen Vorteil darstellt. Lain wird von ihrem Vater, selbst ein Computerfreak, ermutigt, ihre Kontakte zu Freunden in der virtuellen Welt zu pflegen. Das stelle einen Vorteil dar und so beschafft er ihr auch einen neuen Rechner. In der Familie findet jedoch wenig bewusste Kommunikation statt, in dem man sich über Hobbys oder Schule unterhält und die Familie und die Realität werden zunehmend unwichtiger. Am ehesten redet Lain noch mit ihren Freundinnen. Neben der Schule und dem Zeitraum zuhause, scheinen die Menschen außer in Vergnügungsclubs kaum richtige Interessen zu haben. Zunehmend gewinnt der in der virtuellen Welt geschaffene Avatar oder das Bewusstsein von Lain einen Eigenwillen. Das wird auch von den anonymen Personen die sich in der virtuellen Welt tummeln noch verstärkt, sie nehmen Lain wahr, verbreiten jedoch auch Gerüchte und formen sich quasi ein Bild von ihr. Der Anime widmet sich damit auch wie eine Person durch die weltweit dargestellt wird. Und das sind nur einige von vielen Aussagen, die der Anime vermittelt.

Obwohl sie nicht unbedingt viel gemeinsam haben, ist „Serial Experiments Lain“ mit anderen psychologisch-philosophisch angehauchten Animes der späten 90er und frühen 2000er Jahre vergleichbar. Ein Vergleich zu teilweise bahnbrechenden Filmen wie „Ghost in the Shell“, „Paprika“ und „Perfect Blue“ und Serien wie „Neon Genesis Evangelion“ und „Paranoia Agent“ (die meisten der Werke stammen von Satoshi Kon) drängt sich quasi auf. Auch wenn Animes, wie beispielsweise „Paranoia Agent“, einer tiefgründigen Gesellschaftskritik und im Falle von „Perfect Blue“ nicht mal dem Science-Fiction-Genre und im Fantasy-Genre entspringen. Sie greifen doch alle ähnliche Themen auf. In „Perfect Blue“ geht es um die Popsängerin Mima Kirigoe, deren von der Gesellschaft geschaffener Avatar bzw. Bildnis in der Öffentlichkeit ebenfalls selbstständig wird, als sie von einem Stalker verfolgt wird. Grenzen zwischen Realität und Wirklichkeit schwinden!

Ihr werdet lachen, aber selbst „Digimon“ nimmt sich dem Thema, obgleich auch spielerisch, kinderfreundlicher und im Fantasy-Gewand an, entwickeln sich in der Digiwelt eigenständige, intelligente Lebensformen. Eine Vermischung (durch böswillige Kräfte oder gar einen Virus wie in „Digimon Tamers“), die für beide Welten schadhaft ist, gilt es zu verhindern, obgleich ein Austausch und eine Koexistenz erwünscht ist.

Vielmehr prägten Anime wie „Ghost in the Shell“ und „Serial Experiments Lain“ mit ihren seiner Darstellungen auch weitere Anime.

Besonders deutlich kann man dies an der Animeverfilmung des Computerspiels „Steins;Gate“ aus dem Jahr 2011 beobachten. In Steins;Gate werden ähnliche Kontraste und Einstellungen (Energiekabel und Telekommunikationsanlagen) verwendet, um diesen Anime als Technothriller zu kennzeichnen und den Fokus auf Technologie zu legen.

Fazit

Lain, wie der Anime auch genannt wird, ist keine Unterhaltung für Zwischendurch! Auch ist es kein Anime, der für jeden gemacht ist. Vielmehr sollen dessen versteckte Philosophien und unübersichtliche Handlungen zum Rätseln und Denken auffordern. Für Science-Fiction-Fans ist es aber auf jeden Fall ein Must See. Ein mehrfaches Ansehen lohnt sich definitiv! Er enthält wichtige Gesellschafts- und Sozialkritik für die Digitalisierung, die vorausschauend, aktueller und nicht sein könnte. Konaka versuchte, als das Internet in den Kinderschuhen steckte, eine Analyse zu schaffen, wie sich die Welt und die Gesellschaft längerfristig durch die Vernetzung durch die Jahre entwickelt. Verbringen Menschen doch inzwischen sehr viel Zeit in einer virtuellen Welt wie in hier in Onlineenzyklopädien oder in Onlinespielen, wenn man sich Animes wie „Sword Art Online“, „No Game No Life“ oder „BTOOOM!“ betrachtet.

Gerade wegen seiner beinahe zeitlosen oder gar aktuellen Gesellschaftskritik und seiner einmaligen Optik und Atmosphäre hat mich dieser Animeklassiker in seinen Bann gezogen und ich kann diesen einzigartigen Science-Fiction-Psychothriller nur weiter empfehlen!

Serial Experiments Lain Trailer

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