Animanga Wiki
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Chainsaw Man hat die Manga- und Anime-Welt vor einigen Jahren im Sturm erobert. Die letzte Anime-Folge rund um Denji, Makima, Aki und Power lief allerdings bereits Ende 2022 auf den Streaming-Plattformen. Drei Jahre später ist es nun endlich so weit und die Geschichte wird fortgesetzt – in Form eines Films am 23. Oktober 2025. Wie der Titel bereits vermuten lässt, dreht sich in Chainsaw Man – The Movie: Reze Arc alles um die Geschichte der Figur Reze, die Manga-Fans bereits kennen. In einem Interview sprechen der Regisseur des Films, Tasuya Yoshihara, und Regieassistent Masato Nakazono über die Produktion des Films, wie er sich von der Vorlage unterscheidet und welche Herausforderungen es zu meistern gab.

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Was war euer Eindruck, als ihr das erste Mal Chainsaw Man gelesen habt?

Tasuya Yoshihara: Den stärksten Eindruck hat auf mich zunächst die ärmliche, aber dennoch glückliche, liebevolle Beziehung zwischen Denji und Pochita gemacht. Später, als Denji älter wird, trifft er unvorhersehbare und ausgefallene Entscheidungen, die die Spannung für das steigern, was noch kommen wird. Ich fand, dass dieser Manga geschickt die Emotionen der Leser weckt.

Masato Nakazono: Als ich das erste Kapitel in Shonen Jump gelesen habe, dachte ich zuerst: „Das fühlt sich überhaupt nicht wie Jump an!“ Es hat dieses „Shonen Jump“-Feeling in heldenhaften Momenten und darin, wie sich die Geschichte entwickelt. Für mich stach es aber als etwas noch nie zuvor dagewesenes hervor. In „Reze Arc“ ist mir vor allem diese eine Szene in Erinnerung geblieben, in der Denji, der bisher immer rein instinktiv gehandelt hat, selbstständig agiert, nachdem er Reze getroffen hat. Die komplette Abfolge an Ereignissen, die zu diesem Moment geführt hat, hat mir eine neue Seite von Denji gezeigt und ließ mich zu der Erkenntnis kommen: „So denkt Denji also.“

Auch der Storystrang mit Bomben- und Taifun-Teufel als Gegner, als sich Denji mit dem Hai-Teufel „Beam“ zusammentut, hat sich wie eine verschachtelte Erzählung des Films Sharknado angefühlt. Das fand ich interessant. In Sharknado geht es darum, Wirbelstürme und Haie mit Kettensägen und Bomben zu bekämpfen. Diese frische Kombination solcher Motive mit dem Rest hat mich noch mehr in den Bann von Chainsaw Man gezogen, den ich ohnehin bereits jede Woche mit Spannung verfolgt habe.

Der Hai-Teufel „Beam“.

Der Hai-Teufel „Beam“.


Ihr habt beide bereits an der Anime-Serie mitgewirkt. Wie hat es sich angefühlt, als ihr das Angebot bekommen habt, als Regisseur und Regieassistent die Arbeit am Film aufzunehmen?

Yoshihara: Um ehrlich zu sein, haben die Sorgen damals alles andere überwogen. Aber da sie mir vertraut und mir den Film anvertraut haben, war ich entschlossen, alles zu tun, was ich tun konnte, um zu helfen und den Erwartungen gerecht zu werden. Da ich schon seit der Serie dabei bin, wollte ich einen noch spannenderen Chainsaw Man abliefern. Einen, der wirklich alle begeistern wird.

Nakazono: Ich habe als Chief Episode Director an der Serie mitgewirkt, eine Position, die den Regisseur unterstützt. Ich war mehr als froh darüber, diese neue Aufgabe zu übernehmen, wenn es Yoshihara helfen würde. Also wurde ich Regieassistent.

Yoshihara: Zunächst hatten wir ein Meeting mit dem gesamten Team, inklusive der Animator*innen, und haben alles von vorn aufgerollt. Als Team beschlossen wir, dass wir die Essenz des Originals noch besser zum Ausdruck bringen wollten, einschließlich Faktoren wie die Verwendung von Farben, die Anzahl der Linien, Beleuchtung sowie die daraus resultierenden Schatten, und haben all das als unser Ziel gesetzt. Konkret bedeutet das, dass wir uns sehr genau mit den kleinen Gesten, Posen und Ausdrucksformen der Charaktere auseinandergesetzt haben. Wir wollten das Gefühl, das man beim ersten Lesen des Manga hat, so genau wie möglich auf den Bildschirm bzw. die Leinwand bringen. Wir wollten auch einen Film machen, bei dem alle, die den Manga bereits kennen, durch die zusätzlichen Farben und Klänge ein neues Erlebnis haben. Das war uns bei der Arbeit am Film sehr wichtig.

Nakazono: Wir haben uns jedes Panel des Original-Mangas noch einmal angeschaut, es mit dem Team diskutiert und analysiert. Dabei haben wir uns gefragt: „Warum hat Tatsuki Fujimoto das so gezeichnet?“ und haben anschließend alles visuell neu interpretiert. Im fertigen Film wird es einige Stellen geben, bei denen Blickwinkel vom Manga abweichen, aber wir haben sehr darauf geachtet, dass die Kernaussagen mit dem ursprünglichen Material übereinstimmen. Darauf haben wir uns im Team geeinigt und jedes Mitglied hat eigene Ideen eingebracht, mit dem Gedanken „das könnte so noch viel besser funktionieren.“ Durch das Abstimmen und Kombinieren unserer Ideen zu einer einzigen Vision, nahm die aktuelle Fassung Form an.

Bomben-Teufel vs

Bomben-Teufel vs. Chainsaw Man


Yoshihara: Auf diesem Fundament aufbauend, haben wir den Actionszenen etliche Inhalte hinzugefügt, um Elemente wie Bomben und Taifune voll auszuschöpfen, die auf der großen Leinwand besonders gut zur Geltung kommen. Vor allem für den Kampf mit Taifun hat [Action Animation Director Sota] Shigetsugu viele Ideen beigesteuert.

Nakazono: Das stimmt. Was den Umfang angeht, ist dieses Szenario noch gewaltiger als die Serie. Und ich bin mir sicher, dass ihr die spektakuläre Erfahrung des Kampfes mit Taifun in vollen Zügen auf eine Art genießen könnt, wie es nur eine große Leinwand schafft. Wir haben auch die Soundeffekte, wie die Explosionen und die Windböen des Taifuns, in vollem Surround-Sound gestaltet, damit Zuschauer*innen ein wirklich immersives Erlebnis genießen können. Yoshihara: Als wir den Trailer erstellt und die Materialien überarbeitet hatten, wurde das Ziel allmählich klarer, was uns im Laufe der Produktion ein bestärkendes Gefühl gegeben hat.

Nakazono: Ich würde zwar nicht sagen, dass wir bei Null angefangen haben, aber wir sind als Team Schritt für Schritt vorgegangen und haben es letztendlich bis hierher geschafft. Es war anstrengend. Aber zu sehen, wie alles sich zu einem einzelnen Film zusammenfügt, war eine Erfahrung, für die ich persönlich sehr dankbar bin.

Mit welchen Teilen habt ihr herumexperimentiert?

Nakazono: Von den Teilen, bei denen ich Regie geführt habe, würde ich sagen, dass es die Reaktion von Denji war, als Makima während der Date-Szene vor ihm erscheint. Das ist auch etwas, was sich Regisseur Yoshihara gewünscht hat, als er die Storyboards korrigierte. In der Szene gibt es mehrere Denjis, die im Hintergrund erscheinen, als er „Süß!!“ schreit. Wir haben darüber gesprochen, wie wir an dieser Stelle auf dem ursprünglichen Material aufbauen und die Optik verstärken könnten. Wir dachten uns, dass Denji möglicherweise ganz natürlich zu dieser Stufe an Begeisterung übergehen würde, und haben versucht, das in einer für Filme einzigartigen Weise auszudrücken.

Yoshiara: In der Szene mit Denjis Reaktion haben wir die Farben lebendiger gemacht und den Manga-Covern ähnlich gestaltet, sodass die Bildsprache besser zu seinen inneren Gefühlen passt. In Actionszenen haben wir Super-Zeitlupen-ähnliche Ausdrucksweisen hinzugefügt und mit den Farben und Zusammensetzungen herumgespielt. Ich hoffe, diese wiederkehrenden spielerischen Elemente dienen als Anknüpfungspunkte und fesseln das Publikum bis zum Ende.

Denji mit vielen Denjis im Hintergrund.

Denji mit vielen Denjis im Hintergrund.


Die Elemente, die Ihr gerade erwähnt habt, könnten Gründe für das Publikum sein, sich den Film mehrmals anzusehen.

Yoshihara: Das stimmt. Der Film heißt „Reze Arc“, deshalb wollen wir zuerst einmal, dass das Publikum der Handlung von Rezes Geschichte folgt und dadurch eine ganze Bandbreite an Emotionen erlebt. Wenn man sich dann den Film ein zweites oder drittes Mal anschaut, könnte es interessant sein, sich auf einige bestimmte Details zu konzentrieren. Zum Beispiel könnte man den Fokus auf Denji und Beam legen, oder sich nicht auf die Hauptcharaktere, sondern auf Personen im Hintergrund und kleine Gesten konzentrieren. Ich persönlich habe eine Vorliebe für Actionszenen, und da sie den höchsten Anteil an neuen Elementen im Vergleich zum Manga bieten, werden diese Szenen, denke ich, für Fans des Mangas am aufregendsten sein.

Nakazono: Ein Aspekt, den ich dem Publikum ans Herz legen möchte, ist es, darauf zu achten, wie Panels im Manga, die ohne Dialog auskommen und sich ausschließlich auf Mimik stützen, in der animierten Version umgesetzt sind. Vor allem die Szene, in der Denji und Reze im Klassenzimmer über „die Stadtmaus und die Landmaus“ unterhalten, nachdem sie aus dem Pool gekommen sind. Ich habe das Gefühl, dass wir durch das Tempo der Dialoge und die Art, wie Zeit in dieser Szene genutzt wird, die Stärken von Animation zur Geltung bringen konnten. Ich würde mich freuen, wenn in dieser Szene jeder das gleiche Gefühl bekommt, das sie beim ersten Lesen der Mangas hatten. Alle Mitarbeiter haben wirklich ihr Bestes gegeben, um das zu erreichen.

Wie habt ihr Denjis Synchronsprecher Kikunosuke Toya und die anderen Sprecher*innen während der Aufnahmen angeleitet?

Yoshihara: Wir haben die Charaktere an der persönlichen Interpretation der Sprecher*innen ausgerichtet. Für einige Szenen haben wir jedoch zusätzliche Anweisungen gegeben. Bei Denji lautete die Anweisung zum Beispiel: „Mach deinen Kopf ein wenig leerer und wenn du dich in Chainsaw Man verwandelst, mach deinen Kopf noch leerer.“ Wir haben diese Anweisungen unserem Tonregisseur Yasushi Nagura mitgeteilt, der sie dann für unsere Synchronsprecher*innen verständlich gemacht hat.

Für Aki (Shogo Sakata) ist die Grundlage ähnlich. Aber in der Szene, in der der Engels-Teufel (Maaya Uchida) in Bedrängnis gerät und Aki ihn rettet, habe ich ihn angewiesen, seine „Stimme um zwei Stufen anzuheben“. Für Reze habe ich darum gebeten, dass sie „fröhlich klingt, wenn sie mit Denji spricht“, und sie hat das sofort umgesetzt. Nach den Tonänderungen von Reze haben wir die Interpretation von Reina Ueada komplett übernommen, da sie Reze so exzellent spielt.

Reze und Denji.

Reze und Denji.


Nakazono: Wie Regisseur Yoshihara schon gesagt hat, glaube ich auch, dass die Interpretationen, die die Sprecher*innen mitgebracht haben, eine große Rolle gespielt haben. Vor allem Toya und Sakata haben sich in den Jahren seit der Serie stark weiterentwickelt. Makimas Sprecherin Tomori Kusunoki, Powers Sprecherin Fairouz Ai, Ueda und alle anderen haben sich voll und ganz darauf eingelassen, ihre Charaktere zu verstehen und entsprechend darzustellen. Das hat uns geholfen, eine solide Grundlage zu schaffen. Darauf konnten wir weiter aufbauen und tiefergehende Unterhaltungen führen, in denen wir Themen diskutiert haben, wie „diese Figur sich wahrscheinlich verhalten würde, wenn sie mit jener Figur spricht“ und so weiter. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Was möchtet ihr zu guter Letzt noch allen sagen, die sich auf diesen Film freuen?

Yoshihara: Es ist ein Film, den man als Liebesfilm bezeichnen kann, oder man kann ihn auch als Hai-Film kategorisieren. Es ist ein Film, den man auf viele verschiedene Arten genießen kann, daher würde es mich sehr freuen, wenn das Publikum den Film auf vielfältige Weise sehen könnte.

Nakazono: Der ursprüngliche Manga „Chainsaw Man“ hat einen vielschichtigen und multidimensionalen Reiz. Der Film baut darauf auf und ist dadurch sehr abwechslungsreich. So sehr, dass man sich fast schon fragt: „Passt das alles überhaupt in einen einzigen Film?“ Daher kann man in jeder Ecke kleine Entdeckungen machen. Ich würde mich also sehr freuen, wenn ihr euch den Film mehrmals ansehen könnt.